Vorschlag für eine Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße

- Vorschlag aus dem Jahr 2015 für eine Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße ohne Autotunnel als Alternative zur Kombilösung -

Straßenbahntrasse Kriegsstraße als pdf-Datei (1,51 MB)

Dieser Vorschlag für eine Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße enthält keine Detailplanung, sondern ist nur die Ideenskizze einer möglichen Variante. Es erfolgt daher keine Festlegung der Anzahl von Fahrstreifen, Abbiegespuren, Parkplätzen und Bäumen. Eine genaue Dimensionierung und Detailplanung - insbesondere der Knotenpunkte - kann im Rahmen dieses Vorschlages nicht durchgeführt werden, da hierzu ausreichende Planungsgrundlagen fehlen. Insbesondere die prognostizierten Verkehrsstärken einschl. der Verteilung zwischen Durchgangs- und Erschließungsverkehr liegen nicht vor. Diese sind abhängig vom weiträumigen Verkehrskonzept (z. B. Nordtangente), neuen oder veränderten Verkehrsschwerpunkten sowie der Verkehrsentwicklung im IV und öV (Modal Split).

Vorbemerkungen

Seit der Entscheidung für die Realisierung der Kombilösung (Bürgerentscheid 09/2002, Standardisierte Bewertung 2004, Planfeststellungsbeschluss 12/2008) haben sich die damaligen Randbedingungen verändert, so dass es sinnvoll erscheint, die Teile der Kombilösung die zur Realisierung noch anstehen, unter den aktuellen Rahmenbedingungen neu zu betrachten. Diese Betrachtung erfolgt im Bewusstsein der Tatsache, dass durch eine änderung der bereits genehmigten und auch bereits ausgeschriebenen Maßnahmen in der Kriegsstraße, teilweise erhebliche Terminverzögerungen im Projekt resultieren würden. Diese Zwänge werden hier nicht berücksichtigt, um eine unabhängige Bewertung auf Grundlage der im folgenden genannten Randbedingungen zu ermöglichen.

Folgende neue Randbedingungen sollen im Folgenden berücksichtigt werden:

Ein Ziel des Karlsruher Klimaschutzkonzeptes ist die Reduzierung der CO2-Emissionen. Da eine wesentlicher Anteil der CO2-Emissionen vom Autoverkehr verursacht wird, muss dieser zur Zielerreichung deutlich reduziert werden. Unabhänig davon mit welchen Maßnahmen dies erreicht werden soll, führt dies künftig zu Reduzierung der Verkehrsstärken im Kfz-Verkehr, so dass die Untersuchungen zur erforderlichen Kapazität der Strecken und Knotenpunkte unter diesem Aspekt neu betrachtet werden müssen. Durch die angespannte finanzielle Situation im Karlsruher Haushalt kommt dem sparsamen und wirtschaftlichen Einsatz der Haushaltsmittel eine umso größere Bedeutung zu. Es ist daher auch die Nutzung bereits realisierter Baumaßnahmen und die Notwendigkeit der Schaffung von neuen Infrastrukturen vor diesem Hintergrund zu prüfen.

Durch die Fertigstellung der Straßenbahn Südost wurden im Abschnitt Baumeisterstraße - Philipp-Reiss-Straße - Ludwig-Ehrhard-Alle neue Infrastrukturen geschaffen. Außerdem wurden im Bereich der Kriegsstraße in den letzen Jahren zahlreiche Haltestellen barrierefrei ausgebaut: Entenfang, Kühler Krug, Weinbrennerplatz (im Bau), Lessingstraße, Karlstor und Rüppurer Tor (als Vorabmaßnahme realisiert) sowie Philipp-Reiss-Straße und Ostendstraße (im Zuge der Tram Südost realisiert). Diese Infrastrukturen sollten daher bei den Planungen für den weiteren Ausbau der Kriegsstraße sinnvoll einbezogen werden.

Abschnitte A-C: Entenfang - Kühler Krug - Weinbrennerplatz - Reinhold-Frank-Straße/Brauerstraße

Auf dem Abschnitt Entenfang - Kühler Krug wird die bestehende Straßenbahnstrecke der Linie 5 genutzt. Hier existiert bereits ein eigener Bahnkörper, so dass die Bahnen unabhängig vom MIV verkehren können. Die Haltestellen Entenfang und Kühler Krug wurden bereits barrierefrei ausgebaut. Der Abschnitt der westlichen Kriegsstraße Kühler Krug - Weinbrennerplatz ist zum Umbau vorgesehen. In diesem Zusammenhang soll der Straßenraum neu geordnet werden, um die Konflikte zwischen MIV, dem ruhenden Verkehr und der Straßenbahn zu reduzieren.

Trasse A-C

Im Abschnitt Weinbrennerplatz - Reinhold-Frank-Straße/Brauerstraße wurde die Haltestelle Lessingstraße in der Gartenstraße barrierefrei ausgebaut. Der Ausbau der Haltestelle Weinbrennerplatz im Zuge der Kriegsstraße ist im Anschluss daran vorgesehen. Daher sollte die vorhandene Strecke durch die westliche Kriegsstraße und die Gartenstraße weiter genutzt werden. Auf eine Verlegung in andere Straßenzüge (z. B. direkte Führung über die Kriegsstraße zwischen Weinbrennerplatz und Reinhold-Frank-Straße) wird verzichtet. Zusätzliche Investitionen sind daher hier nicht erforderlich.

Abschnitte D bis E: Reinold-Frank-Str./Brauerstraße - Karlstor - Ettlinger Tor

Bei diesem Abschnitt handelt es sich um den zentralen Abschnitt der Kriegsstraße. Diese weist hier einen bis zu 10-streifigen Straßenquerschnitt auf. An den Knotenpunkten Karlstor und Ettlinger Tor wird (bzw. wurde) der durchgehende MIV im Zuge der Kriegsstraße in der zwiten Ebene geführt. Durch die Straßenbreite und die vorhandenen Rampen besteht eine erhebliche Trennwirkung, die die Stadtteile der Innenstadt von den südlich gelegenen Stadtteilen abschneidet. Im Zuge der Hirschstraße wurde im westlichen Abschnitt bereits eine ebenerdige Fuß- und Radfahrerquerung realisiert.

Hier wird in diesem Abschnitt eine durchgehende Straßenbahnstrecke in Mittelllage mit beidseitigen Baumreihen und Fahrspuren für den Kfz-Verkehr analog zur Querschnittsgestaltung in der Brauerstraße, d. h. ohne Straßentunnel, vorgeschlagen. Die Notwendigkeit in einzelnen Abschnitten Anliegerfahrbahnen wie in der Brauerstraße einzurichten, müsste noch geprüft werden.

Trasse D-E

Im westlichen Abschnitt zwischen Reinhold-Frank-Straße und Karlstor waren im Zuge der Kombilösung keine Veränderungen vorgesehen (Abschnitt D). Im Zuge dieses Vorschlages sollte die neue Straßenbahnstrecke in der Kriegsstraße um diesen Abschnitt erweitert werden. Hierduch wäre eine direkte Führung der Linie 2 zwischen Europaplatz und ZKM über die Kriegsstraße ohne Umweg über die Mathystraße möglich. Außerdem würde damit eine Linie mit direkter Führung in der Kriegsstraße von Entenfang - Kühler Krug oder Yorkstraße - Schillerstraße über Weinbrennerplatz - Brauerstraße - Karlstor - Ettlinger Tor ermöglich, die zu einer Entlastung des Abschnitts Mühlburger Tor - Europaplatz - Karlstor nach Realisierung des U-Strab-Tunnels beitragen kann. Durch die Führung einer durchgehenden Linie am Karlstor in Ost-West-Richtung ergibt sich dort keine zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit, da diese in der Grünphase des Ost-West-Kfz-Verkehrs mitgeführt werden kann. Dieser Absschnitt ist kein Bestandteil der ursprünglichen Kombi-Lösung und könnte daher auch zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.

Entsprechend der Haltestelle Otto-Sachs-Straße in der Mathystraße (Linie 5) kann in der Kriegsstraße an der neuen Straßenbahntrasse eine Haltestelle "SWR" zwischen Leopold- und Hirschstraße angelegt werden. Die Haltestelle "Karlstor" in der Kriegsstraße liegt östlich der Karlstraße und die Haltestelle "Ettlinger Tor" westlich der Ettlinger Straße (wie bei der Kombilösung vorgesehen). Auf Grund der engen Platzverhältnisse muss die vorhandene Haltestelle "Karlstor" in der Karlstraße auf die Südseite der Kriegsstraße verlegt werden (bereits realisiert). Durch diese Haltestellenanordnung wäre ein Halt der Linie 2 bei Führung über die Kriegsstraße am Karlstor nicht mehr möglich. Dies könnte durch einen Ersatz der Haltestelle Europaplatz (Karlstraße), die nach Außerbetriebnahme der Straßenbahnstrecke in der zentralen Kaiserstraße nicht mehr erforderlich ist, durch eine neue Haltestelle an der Kreuzung Amalienstraße/Karlstraße kompensiert werden.

Im zentralen Abschnitt zwischen Karlstor und Ettlinger Tor (Abschnitt E) sowie weiter bis zur Ludwig-Erhard-Allee (Abschnitt F) ist im Zuge der Kombilösung ein Straßentunnel sowie eine oberirdische Straßenbahntrasse vorgesehen. Die erforderlichen Zufahrtsrampen zum Straßentunnel an allen Knotenpunkten sowie die hierfür notwendigen Ein- und Ausfädelungsspuren verursachen neben der Flächeninanspruchnahme eine neue Trennwirkungen. Der Verkehrsfluss wird durch zahlreiche Ein- und Ausfädelungsvorgänge behindert, was zu negativen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit führt.

Daher wird hier - wie beider Kombi-Lösung - eine neue Straßenbahnstrecke in Mittellage jedoch mit Verzicht auf einen Straßentunnel vorgeschlagen. Dadurch könnten nicht nur erhebliche Investitions- und Instandhaltungskosten eingespart werden, sondern auch die o. g. negativen Auswirkungen bzgl. Trennwirkungen und Leistungsfähigkeit vermieden werden. Während die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes Ettlinger Tor durch den Entfall der oberirdischen Nord-Süd-Straßenbahnstrecke positiv verändert wird ist die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes Karlstor problematisch. Eine Beibehaltung der bisherigen Straßenunterführung ist bei Realisierung der Straßenbahnstrecke nicht ohne erheblichen Mehraufwand (z. B. für eine aufgeständerte Straßenbahnstrecke) möglich. Hier wäre daher noch zu untersuchen, ob unter Berücksichtigung der o. g. reduzierten Kfz-Verkehrsstärken und einer optimerten Ampelschaltung bzw. alternativer Verkehrsführungen eine ausreichende Leistungsfähigkeit hergestellt werden kann.

Die Ritter- und die Lammstraße müssen zur Anbindung der Parkhäuser in der Innenstadt jeweils in einer Richtung über die Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße geführt werden, um die Knotenpunkte Karlstor und Ettlinger Tor gegenüber dem alten Zustand zu entlasten. Die Zufahrt zur Innenstadt von der südlichen Fahrbahn der Kriegsstraße erfolgt über die Lammstraße, die Ausfahrt aus der Innenstadt auf die südliche Fahrbahn Richtung Osten erfolgt über die Ritterstraße. Wie in der Kombilösung wird an diesen Stelen auch eine ebenerdige Querung der Kriegsstraße für Fußgänger und Radfahrer ermöglicht, so dass die Fußgängerbrücken abgebrochen werden können. Die Ampelschaltung für die Straßenquerungen Ritter- und Lammstraße lässt sich mit der Grünphase für Fußgänger und Radfahrer kombinieren, so dass hier keine zusätliche Behinderung des Straßenbahnverkehrs entsteht. Das Parkhaus des ECE-Einkaufszentrums "Ettlinger Tor" - sowie nach Möglichkeit weitere Parkhäuser und Tiefgaragen dieses Bereiches - werdem aus Richtung Osten unterirdisch erschlossen, um den oberirdischen MIV in diesem Bereich zu minimieren (siehe Abschnitt F).

Abschnitte F-G: Ettlinger Tor - Mendelsohnplatz/Rüppurrer Tor - Ludwig-Erhard-Allee

Für diesen Abschnitt werden hier zwei Varianten vorgeschlagen. In der Variante "Baumeisterstraße" werden möglichst bereits vorhandene Infrastrukturen genutzt, um die Investitionskosten zu minimieren. Daher wird in dieser Varianten auf einen neue Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße verzichtet und die Ost-West-Linien über die vorhandene Trasse in der Baumeisterstraße und Philipp-Reiss-Straße geführt.

Trasse F-G
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Die Trasse zweigt am Ettlinger Tor Richtung Süden in die Ettlinger Straße ab und wird in Richtung Osten in die bestehende Ost-West-Strecke in der Baumeisterstraße eingebunden. Hier ist die vorhandene Haltestelle "Volkswohnung" noch entsprechend den aktuellen Standards auszubauen. Am Ruppürer Tor und in der Philipp-Reiss-Straße können die bereits ausgebauten Haltestellen genutzt werden. Die Kreuzung Philipp-Reiss-Straße / Rüppurer Straße ist noch um den Gleisbogen Süd - Ost zu einem vollständigen Gleisviereck zu ergänzen, um auch Fahrten aus Süden in Richtung Osten / Ludwig-Erhard-Allee zu ermöglichen (Maßnahme ist bereits vorgesehen). Damit kann auch auf die entsprechende Abbiegebeziehung am Mendelsohnplatz verzichtet werden. Eine Wiederherstellung der Betriebsstrecke in der Kapellenstraße ist ebenfalls nicht erforderlich, da für diese Verbindung die bestehende Strecke über die Fritz-Erler-Straße - Kaiserstraße genutzt werden kann.

Durch den Verzicht auf ein neues Gleisviereck am Mendelsohnplatz sowie die Betriebsstrecke Kapellenstraße entfallen die Beeinträchtigungen des Ost-West-Straßenverkehrs an diesem Knotenpunkt. Ein Straßentunnel ist dann hier nicht mehr erforderlich. Die baulichen Vorleistungen für den Straßentunnel am "Kombibauwerk" Ettlinger Tor können für eine unterirdische Parkhauszufahrt aus Richtung Osten zum Parkhaus "Ettlinger Tor-Center" genutzt werden. Dadurch wird der Knotenpunkt Ettlinger Tor entlastet und die Ausfahrt aus dem Parkhaus in Richtung Osten kann unabhängig von der Straßenbahntrasse erfolgen.

Nachteil dieser Variante ist die etwas längere Streckenführung für durchgehende Linien in Ost-West-Richtung durch den Schlenker über die Baumeisterstraße. Die direkte Erreichbarkeit der Innenstadt ist jedoch über die Haltestelle "Ettlinger Tor" weiterhin gewährleistet. Durch die Haltestelle "Volkswohnung" wird in dieser Variante auch das Kongresszentrum durch die Linien in Ost-West-Richtung besser angebunden.

Bei der zweiten Variante "Kriegsstraße" wird die Straßenbahnstrecke wie in der Kombilösung vorgesehen durchgängig in der Kriegsstraße geführt. Wie in den vorherigen Abschnitten wird auch hier auf einen Straßentunnel verzichtet. Auch die Straßenbahnlinie 5 wird ab Ettlinger Tor über die Kriegsstraße geführt und nicht - wie in den Planungen für die Straßenbahn in der östlichen Kriegsstraße vorgesehen - über die Baumeisterstraße und deren Verlängerung durch die Philipp-Reis-Straße. Durch den Verzicht auf die Straßenbahnstrecken in der Baumeisterstraße bzw. Philipp-Reis-Straße und Bündelung der Linien auf der Kriegsstraße wird der Unterhaltungsaufwand für Strecken reduziert und so deren Rentabilität erhöht. Es ist allerdings fraglich, ob diese Führung insbesondere am Mendelsohnplatz ohne Straßentunnel möglich ist, ohne die Leistungsfähigkeit für den Straßenverkehr zu sehr einzuschränken.

Trasse F-G alternativ

Die Linie 5 wird aus Richtung Konzerthaus über die Ettlinger Straße in Richtung Osten in die Straßenbahnstrecke in der Kriegsstraße angebunden. Dies hat den Vorteil, dass die Innenstadt auch mit der Linie 5 an der Haltestelle Ettlinger Tor weiterhin direkt erreicht wird. Allerdings ist hierzu eine versetzte Anordnung der Bahnsteige am Ettlinger Tor erforderlich, damit der Bahnsteig in Richtung Osten auch von der Linie 5 angefahren werden kann (alternativ wäre ein zusätzlicher Bahnsteig in der Ettlinger Straße erforderlich). Auch in dieser Variante kann die Betriebsstrecke durch die Kapellenstraße enfallen (s.o.).

Der Nachteil dieser Variante besteht in dem erforderlichen Rückbau der neuen Infrastrukturen, die für die Straßenbahn Südost in der Philipp-Reiss-Straße bereits errichtet wurden (Gleisviereck, Haltestelle, Straßenbahnstrecke) und dem erforderlichen Neubau dieser Anlagen in der parallelen Kriegsstraße. Allerdings ergibt sich dadurch eine direktere Linienführung in der Ost-West-Achse der Kriegsstraße.



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