Linienkonzept für den Schienenverkehr in Karlsruhe unter Einbeziehung der Kriegsstraße

Im Folgenden wird ein mögliches Liniennetz unter Einbeziehung einer Stadtbahntrasse in der Kriegsstraße beschrieben. Das Ziel dieses Linienkonzeptes ist insbesondere die Entlastung der Kaiserstraße vom Schienenverkehr durch Verlagerung der Stadtbahnlinien auf die neue parallele Strecke in der Kriegsstraße. Die direkte Erreichbarkeit der Kaiserstraße soll aber für möglichst viele Ziele erhalten bleiben.

Auf Grund mangelnder verkehrlicher und betrieblichen Informationen über Fahrgastzahlen, Verkehrsbeziehungen und Fahrzeugumläufe kann bei diesem Vorschlag kein im Detail auf diese Belange abgestimmtes Liniennetz ausgearbeitet werden. Vielmehr wird das hier vorgeschlagene Liniennetz aus dem bestehenden Liniennetz abgeleitet, das diese Belange berücksichtigt. Prinzipiell kann aber die Verlagerung von Linien in die Kriegsstraße bei gleichzeitiger Beibehaltung der Erreichbarkeit der Kaiserstraße auf dieser Grundlage dargestellt werden. Die genaue Linienzusammenstellung kann bei Berücksichtigung der verkehrlichen und betrieblichen Belange in Details von diesem Vorschlag abweichen.

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Verlagerung der Stadtbahnlinien in die Kriegsstraße

Zentraler Bestandteil dieses Konzeptes ist der vollständige Ausbau der Kriegsstraße von Entenfang bis zum Durlacher Tor als Stadtbahntrasse. Zwischen Durlacher Tor und Mendelsohnplatz erfolgt der Ausbau der bestehenden Betriebsstrecke durch die Kapellenstraße. Der zentrale Abschnitt vom Mendelsohnplatz bis zur Brauer-/Reinold-Frank-Straße wird neu gestaltet und erhält eine neue oberirdische Stadtbahnstrecke. Zwischen Kühler Krug und Entenfang wird der eigene Bahnkörper der Linie 5 benutzt. Die Erschließung der Innenstadt und damit auch der Einkaufszone zwischen Kaiserstraße und Kriegsstraße übernehmen die zentralen Haltestellen Karlstor, Nymphengarten (Ritter-/Lammstraße) und Ettlinger Tor für die Linien, die nicht mehr durch die Kaiserstraße fahren. Wie dieser Ausbau im einzelnen erfolgen kann, wird unter Stadtbahntrasse Kriegsstraße näher beschrieben.

Mit einem solchen Ausbau können alle (Regional-)Stadtbahnlinien aus der Fußgängerzone Kaiserstraße herausgenommen werden. Die Ost-West-Linien S2 und S5 werden durchgehend vom Durlacher Tor bis Entenfang über die Kriegsstraße geführt. Die Linien S1/S11 und S4/S45 fahren von Westen bzw. Osten kommend über die Kriegsstraße und ab Ettlinger Tor über die bestehende Stadtbahntrasse Ettlinger Straße zum Hauptbahnhof. Die Verbindung zur Hardtbahn für die Linie S1/S11 erfolgt von der Kriegsstraße ab Karlstor über Europaplatz. Ohne einen Umbau des Knotens Durlacher Tor wird die Linie S2 über den Kronenplatz zum Mendelsohnplatz geführt. Damit ist von den Stadtbahnlinien S1/S11 und S2/S21 mit den Haltestellen Europaplatz bzw. Kronenplatz weiterhin der direkte Zugang zur Fußgängerzone Kaiserstraße möglich.

Durch den durchgängigen Ausbau der Kriegsstraße als Stadtbahntrasse mit eigenem Bahnkörper und ohne enge Radien sind höhere Reisegeschwindigkeiten der (Regional-)Stadtabhnlinien bei der Durchquerung der Karlsruher Innenstadt möglich. Dadurch reduzieren sich die Reisezeiten vor allem für durchreisende Fahrgäste, aber auch für das Fahrziel Innenstadt. Dies relativiert auch den möglichen Nachteil einer größeren Entfernung der zentralen Haltestellen Karlstor, Nymphengarten, Ettlinger Tor und Mendelsohnplatz zur Fußgängerzone Kaiserstraße. Da aber die meisten Fahrgäste ihr Ziel zwischen Kaiser- und Kriegsstraße haben, ergeben sich insgesamt keine längeren An- und Abmarschwege (s. u.).

Entlastung der Kaiserstraße vom Schienenverkehr

Durch die Herausnahme der (Regional-)Stadtbahnlinien wird die Kaiserstraße vom Schienenverkehr entlastet. Die Anzahl der in der Kaiserstraße verkehrenden Linien wird um die Hälfte reduziert. In den folgenden Tabellen ist die Gesamtbelastung der Kriegsstraße jeweils Bestand (Fahrplan 2005) und Planung (gem. vorgeschlagenem Liniennetz) sowie die daraus resultierende Reduzierung in den Abschnitten Europaplatz - Marktplatz und Marktplatz - Kronenplatz zusammengefasst.

Abschnitt Europaplatz - Marktplatz Bestand Planung Differenz Reduzierung
Straßenbahnlinien 1, 3, 4 1, 3, 4, 7    
Stadtbahnlinien S1/S11, S2, S41, S5 -    
Linien Anzahl 7 4 -3 -43%
Fahrten je Stunde 74 42 -32 -43%
Triebwagen je Stunde 100 54 -46 -46%
 
Abschnitt Marktplatz - Kronenplatz Bestand Planung Differenz Reduzierung
Straßenbahnlinien 1, 2, 3, 4, 5 1, 2, 3, 4    
Stadtbahnlinien S2, S4, S5 -    
Linien Anzahl 8 4 -4 -50%
Fahrten je Stunde 96 48 -48 -50%
Triebwagen je Stunde 126 60 -66 -52%

In der gesamten Fußgängerzone zwischen Europaplatz und Kronenplatz verkehren nur noch vier Straßenbahnlinien. Dadurch ergibt sich eine Reduktion der Fahrten je Stunde um 43 % im Abschnitt Europaplatz - Marktplatz und im Abschnitt Marktplatz - Kronenplatz um 50 %. Die störenden (Regional-)Stadtbahnen (mit großen Fahrzeugen und Zügen in Doppeltraktion) entfallen in der Kaiserstraße komplett. Berücksichtigt man die Tatsache, dass die Linien 1, S4 und S41 immer sowie die Linien S1/S11 und S5 pauschal mit jeder zweiten Fahrt in Doppeltraktion (d. h. mit je 2 Triebwagen) verkehren, ergibt sich eine Reduktion der Triebwagen je Stunde um 46 % im Abschnitt Europaplatz - Marktplatz und im Abschnitt Marktplatz - Kronenplatz um 52 %. Dies ist eine erhebliche Reduzierung des Schienenverkehrs in der Fußgängerzone Kaiserstraße, die das Problem der von vielen als störend empfundenen Schienenfahrzeuge in der Kaiserstraße beseitigt, mindestens aber deutlich abmildern kann.

Durch die komplette parallele Alternativstrecke durch die Kriegsstraße wird die Kaiserstraße nachhaltig von Linien entlastet. Zusätzlich besteht dadurch im Störungsfall eine sinnvolle Alternative für alle Linien in Ost-West-Richtung. So ist z. B. die komplette Sperrung der Kaiserstraße bei wichtigen Anlässen möglich, wenn die Bahnen dann durch die Kriegsstraße umgeleitet werden. Die Verspätungsanfälligkeit wird durch die Entflechtung des Liniennetzes reduziert. Für die zukünftige Erweiterung des Karlsruher Straßen- und Stadtbahnnetzes stehen dann ausreichend Trassenkapazitäten in Ost-West-Richtung zur Verfügung (Kaiser- oder Kriegsstraße). Durch Beibehaltung der Abbiegebeziehungen an den Kreuzungen der Straßenbahnstrecken (Europaplatz, Ettlinger Tor, Kronenplatz, Durlacher Tor) bleibt die hohe Flexibiliät im Karlsruher Straßenbahnnetz erhalten.

Erreichbarkeit der Fußgängerzone Kaiserstraße

Die Fußgängerzone ist durch die Straßenbahn jedoch weiterhin sehr gut erreichbar. Die optimale Zugänglichkeit zu den Fahrzeugen des öffentlichen Schienenverkehrs wird durch Haltestellen in (und nicht unter) der Fußgängerzone sowie den Einsatz von Niederflurstraßenbahnen erleichtert. Die Straßenbahnzüge tragen außerdem zur Belebung des Straßenbildes bei, vor allem außerhalb der Geschäftszeiten. Der ÖPNV bleibt im Straßenbild sichtbar, wie auch der Schaufensterbummel mit der Straßenbahn möglich bleibt. Die Probleme des Zugangs zu unterirdischen Haltestellen können komplett vermieden werden.

Die Fußgängerzone Kaiserstraße bleibt auch für Fahrgäste der Stadtbahnlinien gut erreichbar, die nun über die Kriegsstraße geleitet werden. Für die durchgehend in der Kriegsstraße geführten Linien S4, S45 und S5 ist mit den Haltestellen Karlstor, Nymphengarten, Ettlinger Tor und Mendelsohnplatz die Erreichbarkeit der Ziele zwischen Kaiserstraße und Kriegsstraße sichergestellt, da diese vollständig im 400 m-Einzugsradius der Haltestellen in der Kriegsstraße liegen. Die Linien S1/S11 und S2/S21, die erst am Europaplatz bzw. am Kronenplatz in Richtung Kriegsstraße abbiegen, bieten mit diesen Haltestellen an den Endpunkten der Fußgängerzone zusätzlich weiterhin einen direkten Zugang zur Kaiserstraße. Der Marktplatz wird zwar von keiner Stadtbahnlinie direkt angefahren, die Fußwegentfernung zwischen der Haltestelle Ettlinger Tor und Marktplatz liegt aber mit 300 m noch unterhalb des üblichen Einzugsradius für S-Bahn- bzw. Stadtbahnhaltestellen von 400 bis 500 m.

Die Fußgängerzone Kaiserstraße und damit auch der Marktplatz wird weiterhin durch vier Straßenbahnlinien direkt angebunden. An den Verknüpfungspunkten Entenfang (S2, S5), Mühlburger Tor (S1/S11), Ettlinger Tor (S1/S11, S4, S45) und Durlacher Tor (S2, S4, S45, S5) kann von den Stadtbahnlinien einfach in die Straßenbahnlinien Richtung Marktplatz umgestiegen werden. Auf diese Weise ist auch der Marktplatz für Fahrgäste aus dem Karlsruher Umland, die mit den Stadtbahnlinien anreisen, mit einfachem Umsteigen direkt erreichbar. Aus Richtung Durlacher Tor erfolgt die Anbindung der Kaiserstraße mit den Linien 1, 2 und 4, aus Richtung Ettlinger Tor mit den Linien 2 und 7, aus Richtung Mühlburger Tor mit den Linien 1, 3 und 7 sowie aus Richtung Entenfang mit den Linien 2 und 7. Durch die Führung der Straßenbahnlinien über die Kaiserstraße sind alle Karlsruher Stadtteile wie bisher umsteigefrei an den Marktplatz angebunden, was bei der Kombilösung durch fehlende Abbiegemöglichkeiten nicht der Fall ist. Mit der neuen Straßenbahnlinie 7, die die bisherigen Verstärkerfahrten der Linie S5 ab Knielingen übernimmt, sind auch diese Stadtteile weiterhin umsteigefrei an den Marktplatz angebunden.

Sonstige Anmerkungen zum Liniennetz mit Kriegsstraße

 


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